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Voodoo

Als Voodoo bezeichnet man in Hifi-Kreisen alle Produkte, denen Hersteller, Verkäufer oder Käufer eine Auswirkung auf den Klang nachsagen, ohne dass dies theoretisch (also aufgrund wissenschaftlicher Überlegungen und Erkenntnis) plausibel begründbar ist oder empirisch (also durch Blindtests belegte Hörbarkeit von Unterschieden) nachgewiesen werden kann.

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, welche Produkte reines Voodoo sind und welche nicht. Nach weit überwiegender Ansicht der Nutzer im Hifi-Forum zählen dazu aber auf jeden Fall:

  • teurere Kabel, die klanglich mehr versprechen als normale Standardware aus Kupfer (Ausnahme: Schallplattenspieler und Kopfhörer, da hier mit sehr geringen Strömen gearbeitet wird)
  • teurere CD-/DVD/BluRay-Player bei Nutzung der Digitalausgänge
  • Hifi-Racks (außer bei Verwendung von Schallplattenspielern)
  • Vibrationsdämpfer
  • CD-Matten, -Dämpfer und -Beschwerer
  • Klangschalen
  • CD-Entmagnetisierer
  • Netzleisten
  • Kabelunterlagen
  • Bi-Wiring und Bi-Amping (letzteres mit Einschränkungen)
  • Geräte, die versprechen, elektrische oder magnetische Felder zu verändern oder zu eliminieren
  • nahezu alle Produkte von Phonosophie und Albat
  • … und viele weitere völlig unnütze Produkte.

Umstritten hingegen sind hörbare Unterschiede bei

  • ausreichend leistungsfähigen Verstärkern (außer Röhrenverstärker und bei eingebauten Klangveränderern)
  • D/A-Wandlern
  • CD-/DVD/BluRay-Playern bei Nutzung der Analogausgänge

Hier kann man zumindest konstatieren, dass die Auswirkungen auf den Klang extrem gering sind und besonders teure Produkte keine nennenswerten klanglichen Vorteile mehr bieten.

Unumstritten Auswirkungen auf den Klang haben

  • Lautsprecher und Kopfhörer
  • Schallplattenspieler, Tonabnehmer, Phonovorverstärker
  • Röhrenverstärker
  • Absorber und Diffusoren
  • Klangveränderer wie Equalizer, DSP, Einmesssysteme usw.
Wieso gibt es Voodoo-Produkte?

Man sollte eigentlich meinen, dass teure Produkte ohne Einfluss auf den Klang sich gar nicht verkaufen lassen (wenigstens, solange sie nicht andere Vorteile wie Design, Langlebigkeit, Haptik, Statussymbolik, … mitbringen). Doch faktisch floriert dieser Markt, und es gibt zahlreiche Menschen, die hunderte, tausende oder zehntausende Euro für Produkte ausgeben im falschen Glauben, dass diese den Klang verändern.

Das menschliche Gehör ist ein sehr unzuverlässiges Sinnesorgan, was Hörvergleiche anbelangt. Man kann nicht zwei Sachen gleichzeitig hören und vergleichen, sondern immer nur hintereinander, und beim Hören des zweiten Samples hat man nur noch eine verblasste Erinnerung an das erste.

Das führt dazu, dass man sich unsicher wird, ob zwei Samples nun gleich klingen oder unterschiedlich - und genau hier fängt unser Gehirn an, uns Streiche zu spielen, sodass wir oft selbst dann glauben, Unterschiede zu hören, wenn man zweimal dasselbe Sample hört.

Dabei lassen wir uns stark von anderen Faktoren beeinflussen. Das Wissen allein, dass ein teures Kabel oder ein besonders edler Verstärker vor den Lautsprechern hängt, lässt die meisten Menschen bereits glauben, dass es besser klingt. Ebenso bei vollmundigen Ankündigungen („So, jetzt hören Sie sich aber mal das hier an!“) oder nach der Lektüre von Testberichten, die meist große Erwartungen schüren (für mehr Infos, warum diese Testberichte meist rein erfunden sind, bitte auf den Link klicken.)

Auch der Mitläufereffekt spielt eine Rolle. Wenn ein anderer von den Unterschieden schwärmt, zweifelt man eher an der eigenen Urteilsfähigkeit („Warum höre ich das nur nicht? Ist mein Gehör zu schlecht“) und neigt dazu, sich die Unterschiede einzureden. Und nur wenige haben den Mut, zuzugeben, dass sie nichts hören - man will schließlich nicht als plumper Banause dastehen, dem das feine Gehör eines Audiophilen abgeht.

Häufig auch ist lediglich eine andere Lautstärke ausschlaggebend für den Unterschied. Eine winzige Erhöhung der Lautstärke um weniger als 1 dB ist kaum bewusst eindeutig wahrnehmbar, führt aber bereits zu einem besseren Höreindruck. Ein Verkäufer, der einen teuren Verstärker verkaufen möchte, braucht diesen also nur minimal lauter zu drehen als den anderen, und schon wird er als der bessere wahrgenommen. Daher sind Hörvergleiche im Grenzbereich ohne exakten Pegelausgleich sinnlos. Und das Gehör reicht hierfür nicht aus, weil es zu ungenau arbeitet, man benötigt ein Pegelmessgerät.

Nicht zuletzt vergisst man auch nur allzu leicht, bei Hörvergleichen andere Einflussfaktoren hinreichend auszuschalten. Schon das leichte Verschieben eines Lautsprechers, ein Bewegen des Kopfes um nur 10 cm, eine falsche Einstellung bei einem der Geräte oder ähnliches führt in vielen Fällen bereits zu deutlich hörbaren Veränderungen, die dann fälschlich dem verglichenen Produkt zugeschrieben werden.

All diese Faktoren führen dazu, dass die meisten Menschen sich sehr schnell Unterschiede im Klang einreden, die faktisch gar nicht existieren - und das ist der Grund, warum sich selbst völlig aberwitzige Voodoo-Produkte so hervorragend verkaufen.

Wie erkenne ich dann Voodoo?

Ein Weg, solche Produkte zu erkennen, ist die Anwendung gesunden Menschenverstandes und wissenschaftlicher Erkenntnis. Wie zum Beispiel soll ein Digitalkabel den Klang beeinflussen? Selbst mit billigsten USB-Kabeln werden seit 15 Jahren täglich millionenfach Daten übertragen, ohne jegliche Verluste. Dennoch gibt es Leute, die Stein und Bein schwören, hier gewaltige Unterschiede zu hören. Und auch die Zeitschriften sind sich nicht zu schade, solchen Unsinn zu verbreiten, etwa in der STEREO vom März 2010, wo bei einem Test von Ethernetkabeln dem Testsieger ein „natürlicherer, homogenerer Klang mit mehr Brust bei Männerstimmen“ attestiert wurde. Man stelle sich vor, die c't würde den damit übertragenen Word-Dateien weniger Rechtschreibfehler zuschreiben, oder Excel-Dateien eine präzisere Berechnung.

Leider sind nicht alle Voodoo-Produkte so leicht durchschaubar, insbesondere nicht von Menschen mit geringerem technischen Wissen und Interesse.

Hier bleibt dann nur der Blindtest.

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voodoo.txt · Zuletzt geändert: 2016/05/20 16:57 von dadof3