Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


testberichte

Testberichte und Audio-/Video-Magazine

Das Wichtigste in Kürze

  • Testberichte der bekannten Audio-/Video-Zeitschriften und -Websites sind zumindest für Laien nahezu völlig ungeeignet zur Bewertung der Klangqualität von Audioprodukten.
  • Fast nie wird ein Produkt schlecht bewertet, Tests lesen sich für den Einsteiger immer hervorragend.
  • Zu den mutmaßlichen Ursachen hierfür zählen vor allem die Subjektivität des Klangempfindens, die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von den Herstellern und das Bedürfnis, die Leser mit überhöhten Erwartungen bei der Stange zu halten.
  • Man sollte sich bei der Lektüre solcher Tests auf dort ggf. aufgeführte technische Daten, Messungen und Funktionen beschränken und den beschriebene Klangeigenschaften keinerlei Bedeutung beimessen.

Die meisten Interessenten für HiFi- und Heimkinoprodukte sind von dem Angebot am Markt überwältigt und versuchen vor allem, sich über das Lesen von so genannten Fachzeitschriften wie STEREO, AUDIO/stereoplay usw. oder entsprechenden Online-Portalen wie audio.de, fairaudio, Area-DVD etc. einen Überblick zu verschaffen. Oftmals wird dann die Kaufentscheidung danach getroffen, welche Lautsprecher, Verstärker usw. dort Testsieger wurden oder wie viele Punkte oder Prozentwerte sie auf einer Skala des jeweiligen Magazins erreichen.

So gut wie alle erfahrenen Nutzer des Hifi-Forums sind diesen Testberichten und den Audiozeitschriften generell gegenüber sehr kritisch eingestellt - und das ist noch freundlich formuliert. Das hat vor allem zwei Gründe: Subjektivität und wirtschaftliche Abhängigkeit. Genauer erläutert das dieser Artikel im Folgenden. Für den Schnellleser reicht vielleicht der Tipp, Testberichte nicht ernst zu nehmen und sie am besten ganz zu ignorieren, weil sie als Entscheidungshilfe nahezu ungeeignet sind.

Ein Hinweis vorweg: Die folgenden Ausführungen sind keine belegbaren Tatsachen, sondern vielmehr der Versuch einer Zusammenfassung der Gedankengänge und Meinungen, die viele erfahrene Nutzer des Hifi-Forums hierzu haben. Aber sie sind keine Hirngespinste, sondern wohlbegründet, weitgehend Konsens (abweichende Meinungen gibt es natürlich), und zumindest nahe liegende Erklärungen für den aus objektiver Sicht manchmal haarsträubenden Unsinn, den man vielfach in solchen Zeitschriften liest.

Klang ist Geschmackssache und raumabhängig

Es gibt nicht den guten Klang, der allen gefällt. Jeder Mensch empfindet Klang unterschiedlich. Der eine hat gern viel Bass, der andere empfindet das als Gedröhne. Manche mögen sehr präsente Höhen und empfinden deren Fehlen als dumpf, andere wiederum sind von diesen Höhen sehr schnell genervt oder bekommen sogar Ohrenschmerzen. Wiederum andere wollen einen klaren, dynamischen Klang in den Mitten, andere wollen eher runden, warmen Klang. Hinzu kommt, dass Lautsprecher immer mit dem Raum interagieren und sich vernünftig aufstellen lassen können müssen.

Die Jagd nach Testsiegern ist daher kein geeignetes Mittel, gute Komponenten für die persönliche Situation zu finden. Geschmack (auch bezüglich der Optik der Geräte), Hörraum, Aufstellmöglichkeiten und Nutzung sind hierfür viel zu individuell. Es nützt einem nichts, wenn ein Restaurantkritiker eine Haut-Cuisine-Entenbrust an Orangensauce in den Himmel lobt, wenn man dann feststellt, dass die Orangensauce Kümmel enthält, den man auf den Tod nicht ausstehen kann, und zudem die Portion viel zu klein ist, um den Bärenhunger zu stillen.

Natürlich bestehen gute Tests nicht nur aus frei geschriebenen Schwurbeltexten - einige Zeitschriften berufen sich auch auf technische Daten oder machen Frequenzgangmessungen. Diese Elemente sind durchaus brauchbar und sehr hilfreich! Wenn man weiß, das man eher höhenavers ist, dann kann man Lautsprecher mit einer starken Hochtonanhebung direkt ausschließen. Und die Erklärung bestimmter Funktionen und Ausstattungsmerkmale hilft ebenfalls. Auch der Akustik-Assistent der Zeitschrift Audio ist ein sinnvoller Ansatz, die Eignung für bestimmte Räume zu berücksichtigen.

Den größten Teil machen freie Texte aus, in denen der Autor seine persönlichen Höreindrücke schildert und aufgrund dieser zu einer ominösen und nicht nachvollziehbaren Bewertung kommt.

Wirtschaftliche Verflechtung

Die meisten Leser glauben, dass Tests in Zeitschriften ein unabhängiger Service im Dienst der zahlenden Leser sei. Für die meisten Testzeitschriften wie test, Ökotest, Autozeitschriften usw. mag das auch überwiegend zutreffen. Hier wird in der Regel anhand objektiver und nachvollziehbarer Kriterien getestet.

In der Audiowelt ist das leider aber nicht der Fall. Die oben bereits erwähnte Subjektivität führt dazu, dass man sogar ein miserables Produkt fantastisch bewerten kann, ohne dass einem Manipulation oder Verfälschung nachgewiesen werden könnte. Den meisten Kunden fehlt zudem der Marktüberblick, sie vertrauen auf die getätigten Aussagen und zweifeln eher an sich selbst als am Testbericht, wenn der hochgelobte Lautsprecher in ihren Ohren gar nicht so toll klingt.

Auch ist zu beobachten, dass in diesen Berichten fast immer folgende Regeln eingehalten werden:

  • Nachfolgemodelle sind immer deutlich besser als ihre Vorgänger - selbst dann, wenn diese eindeutig technische Verschlechterungen sind und nur dem Hersteller Kosten sparen.
  • Teure Produkte sind immer besser als billige - was bei weitem nicht immer der Fall ist.

Warum ist das so?

Audiozeitschriften leben von den Verkaufserlösen und von den Anzeigen der Hersteller.

Anzeigen

Man mag darüber spekulieren, ob es Zufall ist, dass die Produkte der größten Anzeigenkunden fast immer auch besonders toll abschneiden, oder ob diese Behauptung überhaupt zutrifft. Es muss auch gar keine expliziten Absprachen geben, um hier einen Zusammenhang herzustellen. Es reicht bereits die natürliche Hemmschwelle, über einen Hersteller, von dem man letztlich einen guten Teil seines Gehalts bekommt, kritisch zu urteilen, weil man dann einen Auftragrückgang zu befürchten hat.

Das führt dazu, dass es fast nie schlechte Testberichte gibt. Mitunter kann man mit viel Erfahrung etwas zwischen den Zeilen lesen, ähnlich den euphemistischen Formulierungen in Arbeitszeugnissen. Wenn man doch mal gelegentlich etwas schlechtes liest, dann ziemlich sicher über einen Hersteller, von dem man auch auf lange Sicht keine Aufträge erwartet.

Verkaufserlöse

An einem Käufer, der einmalig einen Lautsprecher anschafft und sich dafür ein oder zwei Zeitschriften kauft, verdient man nicht viel. Man braucht Leser, die viele Jahre als Abonnenten bei der Stange bleiben. Daher gilt es, deren Kaufinteresse an Hifi-Produkten ständig aufrecht zu erhalten.

Der beste Weg dazu ist, Hifi möglichst kompliziert zu machen. Denn je komplexer die Materie, desto mehr muss man lesen, und desto mehr muss man kaufen, testen, vergleichen - wovon auch wieder die Anzeigenkunden profitieren.

Also wird jede technische Komponente der Anlage und jedes am Markt erhältliche Zubehörprodukt als wahnsinnig wichtig eingestuft. Nicht nur Lautsprechern, wo es ja völlig richtig ist, auch Verstärkern (nur mit Einschränkungen von Bedeutung), CD-Playern, D/A-Wandlern und selbst eindeutigen Voodoo-Sachen wie Digitalkabeln, Bi-Wiring, Klangschalen und Netzleisten werden unglaubliche klangliche Wirkungen zugeschrieben. Dazu wird auch die angebliche klangliche Überlegenheit von Plattenspielern kultiviert, obwohl diese im Sinne einer möglichst naturgetreuen und unverfälschten Wiedergabe niemals an digitale Quellen wie CDs oder MP3 herankommen. Doch sind Plattenspieler ideal für die Auflagensteigerung und das Anzeigenvolumen, da man für Plattenspieler, Tonabnehmer, Vorverstärker usw. zum einen wieder jede Menge auszuwählen und zu lesen hat, und zum anderen für guten Klang viel mehr Geld ausgeben muss als mit einem schnöden CD-Spieler.

Hingegen werden andere Möglichkeiten der Klangoptimierung, die viel einfacher und billiger sind und erwiesenermaßen tatsächlich einen großen Einfluss auf den Klang haben, weitgehend ignoriert: Nämlich Raumakustik und Klangveränderer. So wird es regelmäßig als absolut tabu angesehen, dem Wunsch nach mehr Bass durch einem Griff an den Klangregler nachzukommen - das machen nur Dilettanten. Nein, vielmehr wird dazu angeregt, das Ergebnis durch die Wahl eines anderen Verstärkers zu erzielen - obwohl kein Verstärker der Welt auch nur annähernd so viel mehr Bass liefert wie ein nur minimal verstellter Klangregler.

Auch die unbestreitbaren Vorteile der Raumkorrektur werden regelmäßig nur für Heimkinoanwendungen besprochen - für das Hören von Stereomusik hingegen wird das Thema weitgehend tabuisiert.

Sind wirklich alle Testberichte unbrauchbar?

Nein, es gibt durchaus Ausnahmen:

  • Zum einen enthalten Testberichte oftmals relevante harte Fakten (Messungen des Frequenzgangs etc., Fotos insbesondere vom Innenleben der Geräte, Hinweise zur Bedienung, technische Fakten …), die durchaus sehr hilfreich sein können. Vorsicht aber auch hier bei der Bewertung dieser Fakten - ob zum Beispiel im D/A-Wandler eines Geräts ein exklusiv klingender Burr-Brown-Prozessor oder ein popelig anmutender Chip von Texas Instruments werkelt, ist völlig irrelevant!)
  • Zeitschriften, die Profis (Toningenieure, Berufsmusiker, Bühnentechniker, …) zum Ziel haben (insbesondere Sound & Recording), testen meist sehr objektiv mit zahlreichen Messungen und Fakten anstatt Schwurbeltexten, weil sich Profis nicht ganz so leicht an der Nase herumführen lassen (sie sind aber auch nicht dagegen immun!). Diese Zeitschriften testen aber auch fast nur Produkte für Profis, die oftmals in Bezug auf Design, Ausstattung und Preis für Hobbyanwender uninteressant sind.
  • Die Stiftung Warentest unterliegt nicht der wirtschaftlichen Abhängigkeit und wird als sehr neutral angesehen. Sie testet jedoch nur relativ selten Hifi-Produkte und ist von der Subjektivität des Klangempfindens auch nicht frei.
Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
testberichte.txt · Zuletzt geändert: 2016/06/14 08:20 von fuchs14