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leistung [2018/02/20 10:20]
dadof3 [Signalformen und Bezeichnungen]
leistung [2019/04/23 16:29] (aktuell)
dadof3 [Besonderheiten Mehrkanalverstärker/AVR]
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 Klingt alles recht ernüchternd - denn wie soll man nun den Verstärker auswählen? In der Praxis ist das nicht ganz so schlimm, weil zum einen die meiste heutige Musik gar nicht so dynamisch ist (siehe [[wpde>​Loudness_war|Loudness War]]) und zum anderen die hörbaren Unterschiede auch nicht so dramatisch. Außerdem tun sich die üblichen Massenhersteller wie Yamaha, Onkyo, Pioneer etc. in ihrer jeweiligen Preisklasse nicht viel.  Klingt alles recht ernüchternd - denn wie soll man nun den Verstärker auswählen? In der Praxis ist das nicht ganz so schlimm, weil zum einen die meiste heutige Musik gar nicht so dynamisch ist (siehe [[wpde>​Loudness_war|Loudness War]]) und zum anderen die hörbaren Unterschiede auch nicht so dramatisch. Außerdem tun sich die üblichen Massenhersteller wie Yamaha, Onkyo, Pioneer etc. in ihrer jeweiligen Preisklasse nicht viel. 
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 +==== Besonderheiten Mehrkanalverstärker/​AVR ====
 +Bei AV-Receivern wird - anders als bei Stereoverstärkern - meist die Leistung nur eines Kanals angegeben. Dies gilt auch dann, wenn dort „5 x 100 W“ oder ähnliches steht, denn dies bedeutet, dass zwar im Prinzip jeder der Kanäle theoretisch 100 W liefern kann - aber nur dann, wenn alle anderen Kanäle zur selben Zeit stumm bleiben. ​
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 +Leider geben wenige Hersteller die weit weniger beeindruckend aussehende Maximalleistung im Stereobetrieb an, und noch seltener gar die maximale Leistung bei gleichzeitigem Betrieb aller Kanäle. Diese ist nämlich deutlich geringer, da sich alle Kanäle dieselbe Stromversorgung teilen. So wurde schon bei AVR, die mit einem Kanal über 100 W lieferten, bei Vollbetrieb eine Leistung von nur noch 6 W pro Kanal gemessen. ​
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 +Das wirkt auf einen Laien zunächst dramatisch - ist aber weitaus weniger schlimm, als es klingt. ​
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 +Der Grund ist, dass beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Lautsprecher der Pegel deutlich ansteigt. Mit jeder Verdoppelung der Lautsprecherzahl steigt der Pegel bei einem unkorrelierten Signal (pro Kanal erzeugtes zufälliges rosa Rauschen) um 3 dB, bei einem korrelierten Signal (alle Lautsprecher geben exakt daselbe Singal wieder) sogar um 6 dB. (In der Praxis wird man fast immer nur ein teilweise korreliertes Signal haben.)
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 +Das bedeutet wiederum: Wenn der Toningenieur tatsächlich einmal den Soundtrack so abmischt, dass auf allen Lautsprechern dasselbe zu hören ist, steigt der Pegel erheblich an. Das wiederum würde bei Vollaussteuerung zu einem im Vergleich zu den Tönen aus nur einem oder zwei Lautsprechern zu viel zu hohem Pegel führen. Daher wird er den Pegel pro Kanal entsprechend absenken. Dies führt dazu, dass der Leistungsbedarf pro Kanal erheblich sinkt. Die vom Verstärker zu liefernde Gesamtleistung ist bei vielen wiedergebenden Lautsprechern sogar geringer als bei nur einem oder zwei Lautsprechern.
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 +Beispielrechnung:​ Angenommen, für einen anzustrebenden Maximalpegel allein aus dem Centre-Lautsprecher (der wichtigste von allen) muss der AVR auf diesem Kanal 100 W liefern. Kommt nun eine Szene, wo der Centre stummbleibt,​ aber alle anderen vier Lautsprecher der unteren Ebene und sogar vier Lautsprecher der oberen Ebene dasselbe Signal wiedergeben,​ so ist das eine dreifache Verdoppelung der Anzahl, entsprechend einem um 9 dB erhöhten Pegel bei unkorrelirtem Signal. Für denselben Pegel muss ich also den pegel pro Lautsprecher um 9 dB senken - das bedeutet, ich benötige nur noch etwas über 10 W pro Kanal; in Summe über alle 8 Kanäle also sogar weniger als 100 W. Da das Signal aber in der Praxis sogar mindestens teilweise korrelieren dürfte, benötigt man dann sogar noch weniger. ​
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 +Vor diesem Hintergrund dürften die zunächst erschreckend erscheinenden 6 W sich weit weniger dramatisch auswirken, als es zunächst aussieht.
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    * Die erste These lautet, dass der Verstärker **deutlich weniger** Leistung haben müsse als die Belastbarkeit der Boxen. Dadurch können man gar nicht so laut drehen, dass die Lautsprecher davon kaputt gingen, weil der Verstärker dafür gar nicht genug Leistung habe. Dem wird entgegen gehalten, dass die Verstärker bei unzureichender Leistung anfangen zu verzerren ("​clippen"​),​ was wiederum eine hohe Belastung für die Lautsprecher darstellen kann, so dass diese auch unter ihrer normalen Sinusbelastbarkeit kaputt gehen können.    * Die erste These lautet, dass der Verstärker **deutlich weniger** Leistung haben müsse als die Belastbarkeit der Boxen. Dadurch können man gar nicht so laut drehen, dass die Lautsprecher davon kaputt gingen, weil der Verstärker dafür gar nicht genug Leistung habe. Dem wird entgegen gehalten, dass die Verstärker bei unzureichender Leistung anfangen zu verzerren ("​clippen"​),​ was wiederum eine hohe Belastung für die Lautsprecher darstellen kann, so dass diese auch unter ihrer normalen Sinusbelastbarkeit kaputt gehen können.
  
-   * Die zweite, genau gegenteilige These hingegen besagt, dass der Verstärker immer **deutlich mehr** Leistung haben müsse als die Belastbarkeitsangabe ​ der Lautsprecher. Er könne dann nicht ins Clippen kommen und die Chassis seien weniger gefährdet. Bei näherer Betrachtung hat diese These jedoch ebenso ihre Schwächen. Zum einen kann man mit einem solchen Verstärker leichter die Belastbarkeit der Lautsprecher überschreiten,​ ohne dass man Verzerrungen hört - man merkt also unter Umständen gar nicht, wann es zu laut wird für die Lautsprecher - bzw. erst dann, wenn es zu spät ist. Bei einem zu schwachen Verstärker erhält man vorher solche Warnsignale! Zum anderen ist es inpraktikabel,​ pauschal so hohe Verstärkerleistungen zu fordern, weil man dafür bei den meisten Lautsprechern relativ teure und leistungsfähige Verstärker bräuchte. Etwa die Hälfte der üblichen angebotenen Lautsprecher hat eine Nennbelastbarkeit von mehr als 150 W. Verstärker ​hingegen, die eine deutlich höhere Leistung liefern können (also ab 200 W aufwärts), sind eher die Ausnahme und im Hifi-Bereich relativ teuer.+   * Die zweite, genau gegenteilige These hingegen besagt, dass der Verstärker immer **deutlich mehr** Leistung haben müsse als die Belastbarkeitsangabe ​ der Lautsprecher. Er könne dann nicht ins Clippen kommen und die Chassis seien weniger gefährdet. Bei näherer Betrachtung hat diese These jedoch ebenso ihre Schwächen. Zum einen kann man mit einem solchen Verstärker leichter die Belastbarkeit der Lautsprecher überschreiten,​ ohne dass man Verzerrungen hört - man merkt also unter Umständen gar nicht, wann es zu laut wird für die Lautsprecher - bzw. erst dann, wenn es zu spät ist. Bei einem zu schwachen Verstärker erhält man vorher solche Warnsignale! Zum anderen ist es inpraktikabel,​ pauschal so hohe Verstärkerleistungen zu fordern, weil man dafür bei den meisten Lautsprechern relativ teure und leistungsfähige Verstärker bräuchte. Etwa die Hälfte der üblichen angebotenen Lautsprecher hat eine Nennbelastbarkeit von mehr als 150 W. Verstärker,​ die eine deutlich höhere Leistung liefern können (also ab 200 W aufwärts), sind eher die Ausnahme und im Hifi-Bereich relativ teuer. Es wäre unsinnig, so viel Geld auszugeben, wenn diese Leistung später nie benötigt wird.
  
 Letztlich bleibt es dabei: Schutz vor Lautsprecherdefekten erreicht man nicht über die Wahl einer bestimmten Verstärkerleistung,​ sondern man muss beim sehr lauten Hören stets auf hörbare Verzerrungen achten, und wenn diese wahrnehmbar sind, sofort leiser drehen. Und hundertprozentigen Schutz vor Schäden durch Überlastung gibt es nicht - außer einfach nicht so laut zu hören. ​ Letztlich bleibt es dabei: Schutz vor Lautsprecherdefekten erreicht man nicht über die Wahl einer bestimmten Verstärkerleistung,​ sondern man muss beim sehr lauten Hören stets auf hörbare Verzerrungen achten, und wenn diese wahrnehmbar sind, sofort leiser drehen. Und hundertprozentigen Schutz vor Schäden durch Überlastung gibt es nicht - außer einfach nicht so laut zu hören. ​
leistung.1519118436.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/02/20 10:20 von dadof3